Bericht Expertentelefon „Cholesterin“ am 27.11.2014

Was Experten für Fettstoffwechsel, Herz und Gefäße empfehlen

Die Weihnachtszeit mit ihren Schlemmereien und köstlichen Braten wirft für Menschen mit zu hohen Blutfettwerten oft Zweifel auf: Können ein paar „fette“ Tage schon gefährlich sein? Was darf ich mir gönnen? Denn Betroffene werden immer wieder auf die Wichtigkeit einer gesunden Ernährung hingewiesen, um ihre Blutgefäße vor gefährlichen Ablagerungen zu schützen, die zu Herzinfarkt und Schlafanfall führen können. Allerdings spielen für überhöhte Cholesterinwerte auch andere Faktoren eine Rolle, etwa die genetische Veranlagung bei einer Familiären Hypercholesterinämie (FH). Es ist daher wichtig, seine persönlichen Risiken zu kennen und bei Bedarf eine geeignete Behandlung einzuleiten. Individuellen Rat zum Thema konnten sich unsere Leser bei vier Experten holen.

Am Telefon saßen für Sie

Prof. Dr. med. Hans-Ulrich Klör, Vorstand in der Lipid-Liga e.V. und niedergelassener Stoffwechselexperte, Facharzt für innere Medizin und Gastroenterologie, Lipidologe, Kassel.

Prof. Dr. med. Gerald Klose, ehem. Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Klinikum Links der Weser, Bremen, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Lipidologe, Bremen.

Dr. med. Ursula Kassner, Lipidologin, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Lipidambulanz im Interdisziplinären Stoffwechsel-Centrum Charité Campus Virchow-Klinikum, Berlin.

Michaela Wolf, Vorstandsvorsitzende der Patientenorganisation Cholesterin & Co. e.V. (kurz CholCo), Frankfurt.

Gänsebraten an Weihnachten – oder lieber nicht?

Zum Thema Weihnachtsbraten können die Experten in den meisten Fällen Entwarnung geben. Denn laut Prof. Klör hat eine einzige fettreiche Mahlzeit kaum Auswirkungen auf den Cholesterinwert. Der Stoffwechselexperte hat außerdem Tipps für ein gesünderes Festessen parat: „Einen Gänsebraten kann man auf fettarme Art zubereiten, indem man etwa nur Bruststücke auswählt und die Haut vor dem Verzehr entfernt. Auch die Bratensoße kann man zuerst abkühlen lassen und dann das Fett abschöpfen. Und das Rotkraut sollte als Weinkraut ohne Schmalz zubereitet werden, da es dann viel würziger schmeckt.“

Veranlagung spielt eine wichtige Rolle

Doch viele Betroffene erzielen trotz strenger Diät und regelmäßigem Sport keine nennenswerten Erfolge bei dem Versuch, ihren Cholesterinspiegel zu senken. Warum das so ist, erläutert Prof. Klose: „Die Menge des Cholesterins im Blut hängt in individuell unterschiedlichem Ausmaß und Verhältnis von Ernährung und genetischen Faktoren ab. So wie es Personen gibt, deren Cholesterinwert stärker von Ernährungsfaktoren bestimmt ist, gibt es genetisch bedingte Stoffwechselstörungen, die nie ohne Medikamente kontrollierbar sind – wie beispielsweise die Familiäre Hypercholesterinämie.“ Bei dieser Erbkrankheit wird das schädliche LDL-Cholesterin nicht ausreichend über die Leber aus dem Blut entfernt. Die Folge sind extrem hohe LDL-Werte, die schon in jungen Jahren zu Arteriosklerose mit den gefährlichen Folgen für Herz und Kreislauf führen können.

Risiken rechtzeitig abklären lassen

Michaela Wolf von der Patientenorganisation CholCo e.V. rät Eltern mit einer bekannten familiären Vorbelastung, die Blutwerte ihrer Kinder frühzeitig prüfen zu lassen: „Kinder, die erblich von hohen Cholesterinwerten betroffen sind, werden damit geboren, und man kann schon bei Kleinkindern den Cholesterinwert bestimmen lassen. Dann haben Sie Gewissheit und können gegebenenfalls einen Fettstoffwechselexperten aufsuchen.“ Auch Erwachsenen mit genetischer Vorbelastung empfehlen die Experten ein Screening auf mögliche Risikofaktoren. Lägen diese vor, solle gehandelt werden: „Der wichtige zweite Schritt ist das frühzeitige Einleiten einer entsprechenden Therapie, die sich aus Lebensstiloptimierung mit ausgewogener Ernährung und ausreichender Bewegung sowie der notwendigen Gabe von Medikamenten zusammensetzt“, empfiehlt Dr. med. Ursula Kassner. Bei einer Familiären Hypercholesterinämie solle ein LDL-Cholesterinwert von unter 100 mg/dl angestrebt werden.

Hohe Werte wirksam behandeln

Bei Ängsten vor Nebenwirkungen im Rahmen einer medikamentösen Therapie kann Prof. Klör weitgehend beruhigen: „Es gibt kaum ein Gebiet der Medizin, das so gut untersucht worden ist wie die medikamentöse Therapie von Fettstoffwechselstörungen. Insbesondere zur Behandlung mit Statinen, den meistverordneten Lipidsenkern, gibt es viele langjährige Studien mit Zehntausenden von Patienten. In diesen wurde Nutzen und Risiko einer solchen cholesterinsenkenden Therapie sehr sorgfältig untersucht, und stets überwog der Nutzen bei weitem die gelegentlich beobachteten Risiken.“

Weitere Informationen im Internet

Umfassende Infos zu Fettstoffwechselstörungen finden sich auf der Website der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid-Liga) e. V. unter www.lipid-liga.de

Tipps zu Ernährung und Bewegung gibt es auch bei www.ratgeberzentrale.de

Spezielle Hilfsangebote für Betroffene der Familiären Hypercholesterinämie bietet die Patientenorganisation Cholesterin & Co. unter www.cholco.org